

Heißt es nicht Sprachwissenschaft? Nein, das ist kein Schreibfehler. Tatsächlich gibt es einen nicht-staatlichen Abschluss „Sprecherzieher / Sprechwissenschaftler“, den man bei der „Deutschen Gesellschaft für Sprecherziehung und Sprechwissenschaft“ (DGSS) erwerben kann.
Das Studium
Die Ausbildung ist einem Hochschulstudium vergleichbar organisiert. Sie findet an Prüfstellen der DGSS statt, die an verschiedenen deutschen Universitäten eingerichtet sind und in der Regel von einem Sprechwissenschaftler geleitet werden, der gleichzeitig einen Lehrauftrag
oder eine Professur an dieser Universität übernommen hat. Sprechwissenschaft ist ein Zusatzstudium, das neben dem eigentlichen Studium absolviert wird. Zu meiner Studienzeit konnte man an drei Hochschulen in Deutschland man ein Diplom erwerben oder Sprechwissenschaft als Nebenfach studieren. Nach acht Semestern Studium legen die Studenten vor einer Prüfungskommission der DGSS die Abschlussprüfung ab, die aus einer Abschlussarbeit, einer Klausur und einer ausführlichen mündlichen Prüfung besteht.
Die Inhalte
Die Studenten werden in fünf Bereichen ausgebildet:

Sprechwissenschaftliche Grundlagen: Forschungsstand, Aufgaben
und Ziele des Faches, wissenschaftstheoretische Grundlagen,
Bezugslinien zu angrenzenden Wissenschaften und Methodologie
der Sprecherziehung

Rhetorische Kommunikation: Rede- und Gesprächsrhetorik; Theorie
und Geschichte der Rhetorik; Sprechdenken und Hörverstehen;
Moderation und Konferenzleitung; Kommunikations-, Interaktions-
und Rollentheorien und Gruppendynamik; Analysieren und Beurteilen
rhetorischer Leistungen; freie Rede und Redemanuskripte

Sprechbildung: Hören, Atem- und Stimmbildung, Sprechausdruck und
Grundformen mündlichen Sprachgebrauchs

Sprechtherapie: Kenntnisse von Ätiologie, Diagnostik und Therapie
von Stimm-, Sprech-, Sprach- und anderen Kommunikations-
störungen; grundlegende Kenntnisse verschiedener
Behandlungsmethoden; anatomische und neurophysiologische
Kenntnisse

Sprechkunst: Die Lautform literarischer Texte; Rezitation;
Kenntnisse der Ästhetik, Poetik, Interpretationstheorien
und der Literaturgeschichte
Die Arbeitsgebiete
Die Arbeitsgebiete sind vielfältig, hier ist eine Auswahl beschrieben. Sprechwissenschaftler arbeiten mit dem Management von Unternehmen und Organisationen, an Universitäten in der Lehrerausbildung (Sprechpraxisschein), in der Ausbildung von Schauspielern sowie von Radio- und Fernsehjournalisten, als Rhetorik- und Kommunikationstrainer an Bildungs- und Fortbildungseinrichtungen, im Bereich Politik, Rechtsprechung und Rechtspflege, als Stimmbildner oder als Sprechtherapeuten in logopädischen Praxen.